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© Mike Wolff/TSP

Altbundespräsident Joachim Gauck : „Wir können nicht alle ausgrenzen, die mit der Corona-Politik unzufrieden sind“

Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck über Toleranz für „Querdenker“ und „Impfgegner“, rassistische Sprache und die Frage nach Moral in der Politik. Ein Interview.

Von
  • Stephan-Andreas Casdorff
  • Paul Starzmann

Herr Gauck, mit dem Impffortschritt ebbt die Pandemie ab. Welche gesellschaftlichen Wunden wird Corona hinterlassen?
Am meisten fürchte ich, dass der grassierende Individualismus sich verfestigt. Die Vereinzelung in den Gesellschaften des Westens nimmt zu, und auch die Abgrenzung zwischen verschiedenen Gruppen. Das wird nun möglicherweise gesteigert, obwohl ja andererseits das Bedürfnis nach Gemeinsamkeit besteht – ein Wunsch nach Bezogenheit, die unsere offene Gesellschaft der vielen Verschiedenen ja auch unbedingt braucht. Nach der Pandemie sollten wir deshalb wieder unser Wir-Gefühl stärken, eine Art Leitkultur…

Nicht gerade ein positiv besetztes Wort.
Richtig, aber in der Sache geht es um etwas Grundlegendes. Unsere Gesellschaft ist von einer großen Verschiedenheit geprägt. Umso wichtiger ist ein demokratischer Grundkonsens, der Werte und Spielregeln widerspiegelt, die für alle gelten, der alle verbindet und bindet und der nicht nur den Verstand, sondern auch das Gemüt der Menschen anspricht. Ein solcher demokratischer Grundkonsens ist nicht Ausdruck von nationalistischem Denken, der anderen von oben aufgezwungen wird; bezeichnenderweise fordert ihn auch der Deutsche Ahmad Mansour, der selbst Einwanderer ist.

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