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© André Görke

Ausflugstipp zum 3. Oktober in Berlin: Schön, dass ihr da seid, Nachbarn!

Keine Einheitsparty in Tiergarten? Egal. Es gibt viele Orte am Stadtrand, die mehr Beachtung verdienen. Hier Fotos und Kunstwerke an der einstigen Grenze von Spandau und Schönwalde.

Von André Görke

Lust auf einen kleinen Berlin-Ausflug? Gerne. Am Sonntag ist 3. Oktober, „Tag der deutschen Einheit“. Schenken Sie doch mal diesem kleinen Ort am Berliner Stadtrand ein wenig Beachtung (zumal viele Kirmes-Feierlichkeiten wie auf der Straße des 17. Juni sowieso ausfallen).

Na dann los: Der Ausflugstipp führt ins tief in den Nordwesten der Stadt, nach Berlin-Hakenfelde. Es geht am schönen Johannesstift vorbei, durch den unfassbar dichten und wilden Wald bis zur Stadtgrenze zu Schönwalde-Glien. Dorf? Iwo. Die Stadt hat gut 10.000 Einwohner, darunter viele, viele, die mal in Berlin gelebt haben.

Hier war früher die Welt zuende. Rechts geht es nach Eiskeller.
© André Görke

Ist da nicht auch diese Berliner Exklave mit dem markanten Namen? Ja, wenn Sie auf das obere Bild gucken, dann geht’s rechts ab zur bekannten Berliner Ortslage „Eiskeller“, aber um die geht es diesmal nicht.

So sah das in den 70ern aus, als britische Soldaten in Eiskeller zu sehen waren: einer West-Berliner Exklave auf DDR-Gebiet.
© imago/ZUMA/Keystone

Hier an der Berliner Stadtgrenze gibt es ein interessantes Fleckchen deutscher Geschichte. Denn 40 Jahre war hier kein Durchkommen über die „Steinerne Brücke“ des Kanals. Hier West-Berlin, dort die DDR. 

Hier die Gedenkstätte mit Kunstwerk, Bäumen, Stele, Fototafel.
© André Görke

Ab 1952 wurde die Straße dicht gemacht und blieb es für Jahrzehnte. Erst ab Juni 1990 durften Fußgänger hier wieder lang, rüber in den Osten, rüber in den Westen. Im Mai 1993 rollte wieder ein Bus durch den Wald nach Spandau, und ein Jahr später („7. Mai 1994“, steht auf dem Info-Schild) war auch die Straße ganz frei. Anwohner sagen: Die Straße ist ungefähr auf dem Stand von damals geblieben.

Letztens habe ich hier für den Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel eine Pause eingelegt und einfach mal nach links und rechts geguckt. Erfreut habe ich mich an all den gepflegten Kunstwerken und historischen Fotos, die an den DDR-Mauerstreifen erinnern.

2007 wurde das Denkmal aufgestellt, das aus zwei originalen Mauerplatten besteht. Daneben wachsen viele unterschiedliche Baumsorten.

Am Straßenrand steht seit August 2020 auch ein buntes Kunstwerk der Künstlerin Juliane E. Gansen. Das sehen Sie auf dem unteren Bild.

Und hier das Kunstwerk, das 2020 aufgestellt worden ist.
© André Görke

Auf dem Schildchen steht, dass „die Stele an die Mauer, die Grenzöffnung und die alte Verbundenheit zwischen Spandau (blaue Kugel) und Schönwalde-Glien (grüne Kugel) erinnern soll“.

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Und weiter: „Die offene Schranke symbolisiert die einst streng beachten Grenzübergänge aus der heutigen Bundeshauptstadt in das Land Brandenburg.“ In Auftrag gegeben wurde das Kunstwerk vom Bürgermeister der Stadt Schönwalde-Glien.

Und ein Schildchen mit zwei Hertha-Aufklebern grüßte mich als Gast am Straßenrand. Fühlte ich mich natürlich gleich wohl. Schöne Grüße zurück, Nachbarn!

Wie schön: mit Hertha-Aufkleber.
© André Görke

Wer allerdings mit dem Fahrrad kommt, braucht Kraft und dicke Profile. Wer mit dem Bus vom Rathaus Spandau anreist, braucht Geduld.

Deshalb war die Nachbargemeinde im Frühling 2021 auch Thema im Rathaus von Berlin-Spandau. Die Grünen-Fraktion um Gollaleh Ahmadi und Oliver Gellert (die eine ist seit Sonntag im Abgeordnetenhaus, der andere ist neuer Stadtrat) hatten eine bessere Verbindung gefordert: „Auch am Wochenende und abends, bis 24 Uhr mindestens im Stundentakt.“

Denn: „Zurzeit ist die Busverbindung nach Schönwalde insbesondere am Wochenende sehr schlecht. Selbst tagsüber besteht nur ein zweistündiger Takt. Ab 20 Uhr mit dem ÖPNV nach Schönwalde zu kommen, ist fast unmöglich.“ Fand die BVV spitze. Die BVG hingegen sieht keinen Bedarf, den Bus leer durch den 4,5 Kilometer langen Waldabschnitt zu schicken.

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