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© mauritius images / pa / Robert Schlesinger

Currywurst, Craft-Beer und „Feines Fastfood“ : Was erwartet Kulinarik-Liebhaber am BER?

Die internationale Systemgastronomie interessiert sich nicht für den BER. Da bleibt Platz für Berliner Wirte. Doch können die ihrem Kulinarik-Ruf am Flughafen gerecht werden?

Von Bernd Matthies

Seien wir realistisch: Flughäfen, selbst große, sind kein Gourmet-Treffpunkt. Hier muss es schnell gehen, hier sollen fette Pachten erwirtschaftet werden, und das schafft kein anspruchsvolles Restaurant. Deshalb hat sich weltweit eine spezielle Branche, die Verkehrsgastronomie, entwickelt, und ihre deutschen Spezialisten wie Wöllhaf aus Stuttgart und Casualfood aus Frankfurt dominieren auch den neuen Berliner Flughafen.

Man merkt es nicht auf den ersten Blick, denn diese Namen werden nur intern kommuniziert. „Casualfood“ beispielsweise führt Marken wie „Kilkennys Pub“, „Kamps“, „Basta Pizza e Pasta“ oder „Beans & Barley“, die an vielen Standorten gleichzeitig entwickelt und, falls nicht mehr in Mode, auch schmerzlos wieder abgewickelt werden – alle sind zusammen mit dem flexiblen Konzept „Deli Berlin“ auch im BER zu finden.

Wöllhaf, ein Unternehmen mit 400 Mitarbeitern, ist mit zusätzlichen Geschäften noch flexibler aufgestellt und steht mit seinem Know-How beispielsweise hinter dem Schönefelder Ableger der „StäV“, dem rheinischen Sehnsuchtsunternehmen aus Mitte, das zumindest in Berlin weltberühmt ist.

© dpa-Zentralbild/dpa / Britta Peders
Der Hauptsitz der „Ständigen Vertretung“ ist seit 20 Jahren die Adresse für heimwehkranke Rheinländer in Berlin.

Aber auch die „Berliner Kaffeerösterei“ im Terminal 1 und die Bäckerei Dreißig und das „W Café“, die beide im kommenden Jahr im Terminal 2 eröffnet werden, gehören zum Wöllhaf-Reich; weitere Ableger sind der „Spreewald-Shop“, der Museumsshop der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und der Souvenirshop „My Berlin“.

Eine weitere große Berliner Firma gibt dem Flughafen einen hiesigen Schwerpunkt mit gleich vier gastronomischen Betrieben, allerdings ganz auf eigene Rechnung: Die Laggner-Gruppe, die zuletzt die sechste Etage im KaDeWe eroberte, macht, was sie am besten kann und in Berlin schon, gefühlt, an jeder Ecke anbietet.

Ein Hauch KaDeWe am BER

In BER heißen ihre Ableger „Augustiner Bierbistro“, „Almhütte“, „Laggners Bierbistro“ und „Lutter & Wegner Weinrestaurant“ – eine süddeutsch-österreichische Melange mit Berliner Akzenten, die so auch in München oder Wien funktionieren würde, kulinarische Überraschungen ausgeschlossen.

Ähnliches gilt für den TXL-Platzhirsch Mövenpick, der ebenfalls sein ganzes bekanntes Portfolio ausbreitet: Es gibt ein „Marché“- Restaurant mit Café, eine „Arabica-Bar“, eine „Natural Bakery“ und eine „Sandwich-Manufaktur“, und auch „Cindy´s Diner“, eine weitere Mövenpick-Marke für Burgerspezialitäten, hat den Umzug von TXL nach BER geschafft. Dann sind da noch – mit je einem Shop – die deutschlandweit verbreitete Kette „Asiagourmet“ und der Bahnhofs-Spezialist „Klässig´s Fish & Chips“, der aus Berlin stammt.

Klar ist also, dass der neue Flughafen nicht als Schaufenster der Gastronomie-Metropole dienen wird.

Bernd Matthies

All das hat solide deutsche Wurzeln. Interessant ist nämlich, dass anspruchsvollere internationale Konzeptgastronomien wie das auf vielen Flughäfen vertretene „Pret à manger“ offenbar kein Interesse am Weltflughafen BER hatten oder nicht zum Zuge kamen. Die selbst von Gourmets geschätzte britische Fast-Food-Kette hat allerdings kürzlich sogar ihre einst mit viel Wirbel eröffnete Niederlassung im Berliner Hauptbahnhof wegen Corona geschlossen, vorerst, wie es bislang heißt.

Berlinische Klischee-Kulinarik am BER?

Klar ist also, dass der neue Flughafen nicht als Schaufenster der Gastronomie-Metropole dienen wird – alle anderen Hoffnungen wären illusionär. Aber immerhin sind ein paar Berliner Wirte am Start, die ein eigenes Profil mitbringen. „Nu - Made with Love“ serviert asiatisches, und auch der legendäre Berliner Topkoch Bruno Pellegrini („Ana e Bruno“) hat die Wartezeit in Tegel irgendwie überstanden und geht am BER mit dem italienischen Bistro „Ingredienti“ an den Start – dem wohl einzigen Betrieb dort, dem man vorerst mehr als das Übliche zutrauen mag. Der Berliner Filialist „auf die Hand“ ist mit seinem Konzept „Feines Fastfood“ vertreten.

© PA Wire/dpa / Steve Parsons
Die britische Gastro-Kette hat kein Interesse am BER.

Wo bleibt das originär Berlinische? Die kulinarische Kultur der Stadt bleibt im Klischee stecken, das ist an einem solchen Drehkreuz keine Überraschung. Für die erste Currywurst bei der Ankunft oder die letzte nach dem Check-In steht „Wittys Bioland“ bereit; wer die Kult-Wurst mit einem Craft-Bier runterspülen will, der wird eher bei „Von der Pike“ Halt machen.

Die Leute von Berliner Pilsner haben sich die „Wunderbar“ und die Bierbar mit dem schönen Namen „Ick bin ein Berliner“ gesichert. Und dann wäre da noch der Borchardt-Ableger, die wie fast alle anderen Betriebe auch schon 2012 öffnen sollte; er ist auf der WebListe der Flughafengesellschaft noch nicht aufgeführt, sucht aber Personal.

Und selbstverständlich sind auch die allgegenwärtigen Filialisten Burger King – betrieben ebenfalls von Wöllhaf – und Starbucks vertreten; andere wie McDonalds fehlen noch in den Listen, aber das ist sicher nicht von Dauer, zumal ja bald auch das Terminal 2 noch zu füllen wäre. Und über die Jahre kann sich noch vieles zum Besseren wenden.

Der Flughafen Stuttgart zum Beispiel hat seit 28 Jahren ein echtes Restaurant mit Michelin-Stern, das „Top Air“ das hoffentlich seine Corona-Pause bald wieder beendet. Betrieben wird es übrigens von der Firma Wöllhaf...

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