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Der Kampf um die Mehrheit: „Eine Volkspartei ist eigentlich eine eierlegende Wollmilchsau“

Zum ersten Mal seit 1949 erreichte keine Partei über 30 Prozent bei einer Bundestagswahl. Was das für unsere Demokratie bedeutet, erklärt Politikwissenschaftler Michael Koß.

Von Marc Tawadrous

| Update:

Die Zeit der großen Volksparteien scheint mit dem Untergang der Union vorbei. Andere Länder haben diese Entwicklung schon vor uns durchgemacht. Wieso verschwinden gerade überall die Volksparteien?
Der Begriff der Volkspartei bezeichnet eigentlich eine eierlegende Wollmilchsau. Die Idee ist ja, dass man als Partei in einer gesellschaftlichen Gruppe besonders stark verankert ist und dann als Volkspartei darüber hinaus verschiedenste Lager an sich bindet. Das kann eigentlich nicht funktionieren. Dass es Volksparteien überhaupt mal gab, würde ich zum Teil der Konstellation des Kalten Kriegs zuschreiben. Um potenzielle Abweichler bei der Stange zu halten, mussten die beiden Volksparteien ihre jeweiligen Flügel mit Drohungen unter Kontrolle halten. Bei der SPD konnte der linke Flügel mit antikommunistischen Drohungen auf Kurs gehalten werden, bei den Christdemokraten ließ sich der Nationalismus des rechten Flügels mit der Warnung einhegen, dass man nicht aus dem westlichen Bündnis ausscheren dürfe. Nur weil diese Flügel so schwach waren, konnte man so große Massen von sich überzeugen. Nicht aus Zufall war Willy Brandt glühender Antikommunist.

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