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Aktivist Rudolf Duala Manga Bell: Wie der König in Berlin um sein Recht kämpfte

1914 protestiert ein König aus Kamerun gegen die Berliner Kolonialherren – und wird gehängt. Über einen Justizmord und das Bemühen der Nachkommen um Versöhnung.

Von Kai Müller

Ob er sich an Bord geschmuggelt hat? Verkleidet vielleicht? Aber wie tarnt sich ein junger schwarzer Mann aus dem Stamm der Duala, der als Sekretär seines Königs mit einem Geheimauftrag in die Reichshauptstadt Berlin geschickt wird? Wie will er sich verbergen an Bord der „Arnold Amsinck“ zwischen den Kolonialbeamten und ihren Familien, zwischen Pflanzern, Missionaren und Leuten im Dienst des Hamburger Handelshauses C. Woermann, die regelmäßig zwischen Kamerun und Deutschland pendeln?

Ist er als Diener mitgereist? Hatte er Helfer? Wen konnte er über seine vornehmen Manieren, die fehlerfreie deutsche Aussprache täuschen? Hat man ihn schlicht ignoriert? Wie auch immer, angekommen ist er.

Ngoso Din konnte nur per Schiff reisen

Eine andere Möglichkeit, seine Heimat zu verlassen, als über den Seeweg, gibt es für Ngoso Din im Winter 1913 nicht. Verboten ist ihm die Ausreise überdies. Das Gouvernement befürchtet, dass „Eingeborene“ mit Beschwerdebriefen nach Berlin gelangen und bei Reichstagsabgeordneten womöglich Gehör finden könnten. Drei Monate dauert die Überfahrt.

Als Dins Verschwinden aus Duala Anfang 1914 bemerkt wird, stellt der dortige Bezirksamtmann Hermann Röhm die Häuptlinge zur Rede. Jeder Einzelne sagt, er wisse nichts über den Verbleib Ngoso Dins. Auch der König, Rudolf Duala Manga Bell, wird befragt und sagt, dass er es nicht wisse.

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