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Einfach mal mit den Kindern essen gehen: Im Restaurant beginnt für Familien das Drama

Normale Gäste dürfen im Restaurant einfach essen, Familien werden geprüft. Aber mal ehrlich: Das größte Problem sind wir Eltern selbst.

Von Felix Denk

Entspannt essen gehen mit kleinen Kindern - ach, wenn das nur so einfach wäre. Einem netten Abend mit der Familie im Restaurant stehen diese fünf Akteure im Weg.

Der Wirt

Er ist die Hauptfigur in diesem gastronomischen Dramolett. Denn er bestimmt die Regeln. Wie etwa Antonio Ferrari, der sich in vor ein paar Jahren seinem Lokal in Padua zu einer ungewöhnlichen Aktion hinreißen ließ. Da war der lange Tisch, an dem vier Eltern mit sechs Kindern saßen und aßen. Stundenlang. Ferrari war begeistert. Keines der Kinder lief Slalom zwischen den Tischen, niemand warf mit dem Salzstreuer um sich, es gab nicht mal Prügeleien.

Der Geräuschlevel erlaubte es den anderen Gästen, sich ganz normal zu unterhalten. Das belohnte der Wirt mit einem Rabatt von fünf Prozent. Und weil sich plötzlich die halbe Welt für ihn interessierte, behielt er die Regelung einfach bei. Familien mit ruhigen Kindern bekommen nun immer Rabatt.

Die Belohnung ist die postmoderne Form der Bestrafung, das hat Jesper Juul mal gesagt, der auch posthum von vielen Eltern als Erziehungsgott verehrt wird. Normale Gäste dürfen einfach essen. Familien müssen sich einer Prüfung unterziehen. Und so fühlt sich der Restaurantbesuch mit Kindern auch oft genug an: als müsste man Erwartungen entsprechen. Nicht, als wäre es eine Selbstverständlichkeit.

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