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© Saale-Unstrut-Tourismus e.V.

Nur zwei Stunden von Berlin: Zur Weinlese in die Region Saale-Unstrut

Sieben Tipps für ein Wochenende mit Wildblumen, Wasserwandern und einem Abstecher zu einem Weltkulturerbe.

Von Felix Denk

| Update:

Wo Wein wächst, ist es meistens schön. Vor allem natürlich, wenn es Herbst wird, die Blätter anfangen, bunt zu leuchten und die Lese beginnt. Zwei Stunden fährt man mit dem ICE von Berlin nach Naumburg, Richtung Bad Kösen sind es dann nur noch gut zehn Kilometer. Hier startet der Weinbergs-Rundweg. Er führt entlang am Flußlauf der Saale, vorbei an Weinreben an steilen Hängen und auf weiten Wiesen mit Wildblumen und Obstbäumen. Immer wieder passiert man herrliche Aussichtspunkte wie den Fürst Heinrich Stein, von dem man einen Cinemascope-Ausblick auf das von Weinbergen gesäumte Saale-Tal hat.

Ausflugsklassiker: die Rudelsburg an der Saale.
© Wolfgang Kubak

Genauso schön ist das Panorama von der Rudelsburg in der Stofftier-Stadt Bad Kösen am Ende des elf Kilometer langen Rundwegs. Die Festung thront auf einem Bergrücken aus Muschelkalk und zog schon im 19. Jahrhundert romantisch gesinnte Wanderer von weither an.

Radfahren in den Flussauen

Das Weinbaugebiet ist nicht nur das nördlichste in Deutschland, es ist auch eines der ältesten. Seit mehr als 1000 Jahren wachsen hier Reben. Zisterziensermönche brachten dann im 12. Jahrhundert Schwung in die Sache. Bauliches Zeugnis der langen Winzer-Tradition sind heute die vielen Weinberghäuschen, die zu hunderten an den steilen, terrassierten Hängen stehen. Die kann man besonders bequem auf dem flachen und gut ausgebauten Radweg entlang der Unstrut bewundern. Manche von ihnen sind ganz kleine Steinhütten, andere schmucke Fachwerkhäuser. Von größerem Repräsentationsehrgeiz und italophiler Extravaganz zeugt das berühmte Toskanaschlösschen. Die Villa mit Turm im Terrakotta-Farbton steht am Kamm des Schweigenbergs bei Freyburg, wo die höchste Dichte dieser Weinberghäuser ist.

Schön und praktisch: das Weinbergshäuschen im Herzoglichen Weinberg ist täglich geöffnet.
© Saale Unstrut Tourismus e.V.

Zwischen 1700 und 1800 entstanden hier auf etwa 20 Hektar Fläche 90 Häuschen. Ursprünglich waren sie gedacht, um den Arbeitern Schutz zu bieten und Material zu verstauen. Heute finden hier hin und wieder Weinproben statt, einige Hütten sind bis in den Herbst hinein bewirtschaftet. Besonders schön und jeden Tag geöffnet: Der Herzogliche Weinberg im barocken Weingarten von Freyburg.

Unterwegs auf Wasserwegen

Eine natürlich Form der Fortbewegung in dieser von Flußauen geprägten Gegend ist natürlich das Paddeln. Die Unstrut ist seit 2017 für die Personenschifffahrt gesperrt. Einige lokale Unternehmer waren davon gar nicht begeistert, für alle, die gerne auf dem Wasser mit Muskelkraft unterwegs sind, ist das jedoch ein Segen.

Wer gerne selber paddelt, ist auf der ruhigeren Unstrut am besten aufgehoben. Auf der Saale kann man sich mit dem Ausflugsboot rumschippern lassen.
© Saale-Unstrut Tourismus e.V.

Der ruhige Flußlauf ist perfekt zum Wasserwandern. Viele Rastplätze sowie Ein- und Ausstiegsstellen sind in den vergangenen Jahren entstanden. Zu faul zum Paddeln? Auf der etwas wasserreicheren Saale kann man sich auch mit Ausflugsbooten übers Wasser schippern lassen, vorbei an Burgen und Schlössern aus dem Mittelalter.

Ausflug in die Bronzezeit

Ein Stück weiter flußaufwärts an der Unstrut fanden 1999 zwei Sondengänger im Wald eine grünlich verfärbte, mit Gold verzierte Scheibe, die sie illegal an einen Hehler verkauften. 2003 flog die Sache auf. Heute zählt die Himmelsscheibe von Nebra zum Unesco-Weltdokumentenerbe. Der Sensationsfund selbst ist in Halle im Landesmuseum für Vorgeschichte zu sehen. In dem spektakulär geschwungenen Museumsbau am Fundort in Nebra kann man viel Spannendes über die Welt erfahren, aus der die Scheibe stammt. Etwa, dass das Gold darauf aus dem fernen Cornwall kam, die kalendarischen Kenntnisse aus Mesopotamien. Globalisierung in der Bronzezeit. Im Planetarium bekommt man das astronomische Wissen erklärt, das in der Himmelsscheibe verschlüsselt ist.

© Tagesspiegel/Rita Böttcher

Besuch im Weingut

Ein Geheimtipp ist das Weingut Hey nicht mehr, dazu war der Aufstieg in jüngster Zeit viel zu rasant. 2001 kauften Sigrun und Reinhard Hey den Hof am Fuße des Steinmeisters vor den Toren Naumburgs. Sie befreiten die alten Reben von stacheligen Brombeerhecken, setzten die alten Trockenmauern instand und machten die Hanglage wieder urbar. Mittlerweile hat Sohn Matthias übernommen. Die steilen Parzellen bewirtschaftet er per Hand. Bei der Weinbereitung setzt er auf traditionelle Verfahren: lange Maischestandzeiten und Spontanvergärung. Seine komplexen Lagenweine, darunter einige Große Gewächse, finden sich auf penibel zusammengestellten Weinkarten wie dem „Rutz Zollhaus“ in Berlin-Kreuzberg. Das ist schon eine Referenz. Die Aufnahme in den elitären VDP, den Verband Deutscher Prädikatswinzer sowieso. Das Sortiment aus Riesling, Weißburgunder, Silvaner und Zweigelt kann man im Ausschank probieren, am Wochenende auch mit kleinen Speisen. Regelmäßig im Herbst tauscht Matthias Hey seine Tanks gegen Töpfe und serviert im Kaminzimmer des Gutshauses ein fünfgängiges Trüffelmenü. Klar, dass er dazu dann ein paar besondere Flaschen aus seinem Keller aussucht. Hin und wieder schauen auch andere Köche aus der Region am Wochenende vorbei.

Im Weltkulturerbe

Naumburg ist das Herz der Saale-Unstrut-Region. Und die Celebrity unter den Sehenswürdigkeiten der stolzen Stadt mit 1000-jähriger Geschichte ist zweifellos der Dom, errichtet im 13. Jahrhundert, seit 2018 Unesco-Weltkulturerbe. Der mittelalterliche Sakralbau beherbergt zwei ganz unterschiedliche Attraktionen.

Uta von Ballenstedt war eine der berühmtesten Frauen des Mittelalters. Die Stifterfigur im Naumburger Dom erinnert an sie.
© F. Matte

Die gotische Stifterfigur der Markgräfin Uta von Ballenstedt, eine der berühmtesten Frauen des Mittelalters. Und die drei von Neo Rauch gestalteten Rundbogenfenster in der Elisabethkapelle im Nordwestturm des Doms. Der Leipziger Maler stiftete die blutroten Fenster und spendete auch Geld für Material und Herstellung. Sie zeigen Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth von Thüringen, die sich für die Armen und Kranken einsetzte, und tauchen den Raum in ein warmes Licht. Wer eine Führung bucht, darf auf den Turm steigen. Auch hübsch: der Garten mit den knuffigen Quittenbäumen.

Einkehren im historischen Gasthof

Relativ genau zwei Spazierminuten vom Dom und auf halbem Weg zum Renaissance-Marktplatz liegt der Gasthof mit dem einladenden Namen „Zufriedenheit“. Seit 1853 ist in dem historischen Gemäuer schon ein Wirtshaus. Und was heute da aus der Küche kommt, ist einerseits überraschend modern und dabei gleichzeitig fest in der Region verwurzelt. Etwa Wels mit Wirsing und Pastinaken oder Wagyu-Carpaccio mit Yuzu-Creme und Belper Knolle. Die Weinkarte führt eine Menge Winzer aus der Umgebung, viele ihrer Weine gibt’s im offenen Ausschank und auf Wunsch auch als Begleitung zu den Gängen. Nur ein Grund, warum es sich lohnen könnte, in dem hübschen Boutiquehotel gleich noch die Nacht zu verbringen. 15 Zimmer stehen dafür bereit.

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