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© Leutloff’s

Restaurantkritik Leutloff’s: Dahme-Wels mit Pilzgemüse, Frischlingsrücken in Senfkruste

Ein kleiner See zum Abtauchen, eine große Weinkarte gereifter Flaschen zum Eintauchen. In dem Wirtshaus in Zeuthen wartet manche Überraschung auf die Gäste.

Von Ulrich Amling

Wenn dies das letzte Mal Schwimmen im See ist in dieser Saison, dann wird es kein ganz schlechtes Jahr gewesen sein. Nach knapp einer halben Stunde Spaziergang vom S-Bahnhof Zeuthen aus erreicht man die ehemalige Tongrube von Miersdorf. Hier wurde einst der Rohstoff für die Ziegel abgebaut, aus denen die schnell wachsende Metropole Berlin entstand – bis irgendwann unaufhaltsam das Wasser eindrang, die Grube flutete und einen kleinen See samt Insel hinterließ. In den dreißiger Jahren entstand hier ein Seebad, das heute in rundum erneuerter Verfassung, freundlich bewacht und kostenlos zum Abtauchen einlädt.

© Ulrich Amling

Wer aus dem klaren Wasser steigt, blickt direkt auf die Terrasse des Wirtshauses am See, das seit nunmehr einem Vierteljahrhundert den Namen des Gastgeberpaars trägt. Allein die beseelte Art, mit der Heideruth und Hartmut Leutloff ihren Gästen begegnen, lohnt den Ausflug. Menschen, die sich für Essen und insbesondere für Wein interessieren, werden hier als Gleichgesinnte begriffen und behandelt. Der Patron überlässt das Zählen der Positionen in der schweren Weinkarte seinem langjährigen Restaurantleiter. Es werden wohl gut 600 verschiedene sein, doch Hartmut Leutloff ist kein Großsprecher. Jahrgänge aber interessieren ihn – und hier beginnt der Gast, sich die Augen zu reiben.

Gereifte Weine sind ein Segen, zumal zum Essen, nur leider will niemand dafür sorgen. Weingüter legen selten etwas für später zurück, Händler binden nur ungern Kapital, und die Gastronomie ist so schnelllebig geworden, dass in eigene Weinkeller kaum noch investiert wird. Doch während es über dem See langsam dunkel wird, kann man sich durch die Jahresringe der Weinkarte blättern, die vor allem deutsche Rieslinge und Burgunder in berauschender Tiefe bereit hält. Die Preise sind zivil, hier wollen Flaschen getrunken und nicht bestaunt werden. Serviert wird nach alter Schule, der Chef probiert vor. Leider ist dieses Ritual vom Aussterben bedroht, weil Gäste sich beraubt fühlen könnten. Dabei ist der Probeschluck gut angelegt, er garantiert Weinkompetenz mit Überblick.

Schnörkelloser Start: die Entenmastleber mit grünem Spargel, karamellisiertem Apfel und Geflügeljus.
© Ulrich Amling
Mit Biss: der Frlischlingsrücken mit Dijonsenfkruste, Pastinake, Maronenkartoffelpüree und Waldbeerenjus.
© Ulrich Amling

Gekocht wird schnörkellos im Leutloff’s. Die Entenmastleber mit grünem Spargel, karamellisiertem Apfel und Geflügeljus balanciert gekonnt zwischen Röstnoten und minimaler Süße, sodass es dazu keinen Süßwein braucht. Der Wildkräutersalat mit gebratenen Pfifferlingen zeigt nebenbei, wie beglückend guter Essig schmecken kann. Festfleischig und saftig ruht Fischer Strietzels Wels aus der Dahme auf Pilzlauchgemüse und Meerrettichkartoffelschaum. Der Brandenburger Frischlingsrücken mit Dijonsenfkruste, Pastinake, Maronenkartoffelpüree und Waldbeerenjus ist keine Wildboulette, doch Biss und Aromen ergänzen sich harmonisch (Vorspeisen um 15, Hauptgänge um 30, vier Gänge 70 Euro).

Wer nach der zweiten Flasche nicht mehr fort will, den verabschieden die Wirtsleute am Fuß der Treppe, die zu fünf einfachen Zimmern (DZ 90 Euro mit Frühstück) emporführt. Sie wissen: Wer direkt unterm Dach logiert, hat es steil hinauf. Es fühlt sich ein bisschen an wie Schweben.

Schulzendorfer Str. 5 – 6, 15738 Zeuthen, Do – So 12 – 22 Uhr

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