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1983 in West-Berlin: Mit Papprakete zum Ostermarsch.
© dpa/Zentralbild/Paul Glaser
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Beobachtungen eines Amerikaners in Berlin: Die Deutschen müssen aufhören, sich für ihr Militär zu schämen

Aus der Stadt der Wehrdienstverweigerer wurde der Ort, in dem die Schlange vorm Berghain mehr Sorgen machte als die atomare Bedrohung. Aber jetzt sehe ich immer öfter Uniformen.

Ein Essay von Mitchell Moss

Ich habe Berlin in seinen letzten Jahren als Inselstadt kennengelernt, als ich in einer riesigen, unrenovierten Wohnung in Charlottenburg wohnte. Meine Mitbewohner waren allesamt Wehrdienstverweigerer aus dem Westen, die im 20. Semester an der Freien Universität studierten und ihren Lebensunterhalt mit Taxifahren und Pokerspielen verdienten.

Sie lebten in einer Art ewiger Adoleszenz, überlebten von westdeutschen Sozialleistungen und weigerten sich, bei der Volkszählung 1987 gezählt zu werden, um so ihre Privatsphäre zu schützen. In einem der Bücherregale der Wohnung stand ein Handbuch der Roten Armee Fraktion.

In der Zeit der Pershing-II-Proteste ließen sich die außenpolitischen Diskussionen in der „Slumberland Bar“ am nahen Winterfeldtplatz auf zwei allgemeine Thesen reduzieren: Die Amerikaner, das deutsche Militär und die Nato waren böse Kriegstreiber, und Honecker und seine russischen Unterstützer waren nicht so schlimm.

Mitchell Moss, Berlin-Kenner mit US-Blick.
Mitchell Moss, Berlin-Kenner mit US-Blick.
© privat

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