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© Der Tagesspiegel / Bild: Meiko Herrmann
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Sexueller Machtmissbrauch : Schweigende Frauen sind keine Mittäterinnen

Oft trifft es junge, im Betrieb unerfahrene Mitarbeiterinnen. Sie kündigen eher als dass sie protestieren. Denn die männliche Drohkulisse macht Angst. Ein Skandal.

Eine Kolumne von Hatice Akyün

Puh, als Frau ist es schwer zu ertragen, wer alles gerade etwas zum Machtmissbrauch durch Ex-Bildchef Julian Reichelt sagt und was gesagt wird. Das Harmloseste bisher: „Selbst Schuld, wer mit dem Chef in die Kiste springt.“ Was mich aber wirklich verwundert, sind zwei Dinge: Wo waren die Journalisten und Journalistinnen, die jetzt schockiert sind, eigentlich die letzten Jahre? Auf einer Insel, in der sie von der Außenwelt abgeschnitten waren? Und wieso sagt keiner, warum die Frauen, die von Reichelts Machtmissbrauch betroffen waren, sich bisher nur anonym äußern? Nun, weil sie Angst haben vor der „Meute“, weil sie jahrelang erlebt haben, dass sie keine Unterstützung erwarten können. Sexueller Machtmissbrauch durch Männer ist kein Einzelschicksal, sondern ein jahrzehntelang geduldetes System. Unter Männern, die mitmachten, lautete das Motto: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

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