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Die Kenianerin Wangari Maathai gilt als Begründerin der Umweltbewegung in Afrika.
© Stephen Morrison/dpa

Mutter der Bäume: Die Kenianerin Wangari Maathai gilt als Begründerin der Umweltbewegung in Afrika

Lange wurde sie in ihrer Heimat als Staatsfeindin bekämpft, später erhielt sie den Friedensnobelpreis. Vor zehn Jahren starb die Umweltaktivistin.

Von Paul Starzmann

Sie wurde beleidigt, bespuckt, von der Polizei verprügelt und ins Gefängnis gesperrt. Es sind oft keine schönen Erinnerungen, wenn die Kenianerin Wanjira Mathai von ihrer Mutter spricht.

Denn die spätere Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai, mit doppeltem „a“ geschrieben, war früher eine Staatsfeindin in ihrer Heimat. Den Mund ließ sie sich nie verbieten, sie setzte sich tatkräftig für die Rechte von Frauen sowie den Schutz der Umwelt ein – und zog damit den Argwohn der einst autokratischen Regierung von Kenia auf sich. Am 25. September vor zehn Jahren starb Wangari Maathai im Alter von 71 Jahren.

Heute steht ihre Tochter Wanjira Mathai (49), die älteste von drei Geschwistern, selbst an vorderster Front der Umweltbewegung in Afrika. Vom „New African Magazine“ wurde sie 2018 zu den 100 einflussreichsten Afrikanerinnen und Afrikanern gezählt.

Wangaris Tochter Wanjira steht heute an der Spitze der Umweltbewegung in Afrika. Hier ist sie im Mai 2015 mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu sehen.
Wangaris Tochter Wanjira steht heute an der Spitze der Umweltbewegung in Afrika. Hier ist sie im Mai 2015 mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton zu sehen.
© Dai Kurokawa/dpa

Die Mutter zweier Kinder arbeitet in Nairobi als stellvertretende Präsidentin des gemeinnützigen World Ressource Institute und ist ehemalige Vizepräsidentin des Green Belt Movement, das ihre Mutter 1977 ins Leben rief – und damit den Grundstein für die afrikanische Umwelt- und Klimabewegung legte.

In ihrer Heimat wird Wangari – in Kenia gilt der Vorname als die höfliche Anrede – bis heute als „Mama Miti“ (Swahili für: Mutter der Bäume) verehrt. Für Wanjira ist das Erbe ihrer Mutter keine Last. „Ich vergleiche mich nicht mit ihr“, sagt sie. „Ich lebe nicht in ihrem Schatten, sondern sonne mich in ihrem Licht.“

Je knapper die Ressourcen werden, desto bitterer wird um den Rest gekämpft.

Wangari Maathai

Geboren wurde Wangari Maathai 1940 in einem Dorf nahe des Mount Kenya, im Gebiet der Kikuyu. Ihr Vater hatte vier Ehefrauen und zehn Kinder. Als erste Tochter der Familie besuchte Wangari eine weiterführende Schule. Später studierte sie Biologie und wurde 1977 als erste Frau in der Geschichte der Universität von Nairobi promoviert. Im selben Jahr wurde sie die erste Professorin des Landes.


Wangari Maathai | Mutter der Bäume

© imago

In jener Zeit erkannte sie die Bedeutung des Naturschutzes – für die Umwelt, aber auch für die Menschen und den Frieden auf der Welt. „Je knapper die Ressourcen werden, desto bitterer wird um den Rest gekämpft“, sagte sie einmal.

Vor allem Frauen wollte Wangari, die auch Präsidentin des kenianischen Frauenrats war, eine Perspektive geben. Zusammen mit Kleinbäuerinnen organisierte sie Aufforstungskampagnen; die Bäume sollten die Felder der Frauen schützen – und ihnen mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung verleihen. Schnell wurde das Projekt zur Demokratiebewegung.

Der Mount Kenya ist mit 5199 Metern der höchste Berg Kenias und der zweithöchste in Afrika. In einem Dorf in der Nähe des Berges wurde Wangari Maathai 1940 geboren.
Der Mount Kenya ist mit 5199 Metern der höchste Berg Kenias und der zweithöchste in Afrika. In einem Dorf in der Nähe des Berges wurde Wangari Maathai 1940 geboren.
© Ulrike Koltermann / dpa

Den Mächtigen im Land missfiel das. Immer wieder verklagten sie Wangari vor Gericht, etwa wegen der „Verbreitung bösartiger Gerüchte“. Die Regierung überzog sie mit Schmutzkampagnen, ließ sie verprügeln und unzählige Male inhaftieren.

Für ihr Engagement zahlte sie auch privat einen hohen Preis. 1979 reichte ihr Ehemann Mwangi Mathai die Scheidung ein, seine Frau sei „nicht zu kontrollieren“ soll er angeblich gesagt haben. Er verlangte, dass seine Ex-Frau seinen Namen ablegte. Doch die fügte dem lediglich ein „a“ hinzu und nannte sich fortan Wangari Maathai. Die Familie zerbrach, die drei Kinder behielten den Namen des Vaters und lebten einige Jahre bei ihm.

Mehrfach wurde Wangari verpfügelt, etwa weil sie sich für den Erhalt des Karura-Waldes in Nairobi einsetzte. Im Januar 1999 wurde sie vor Gericht gebracht, nachdem sie von einem Mob verprügelt wurde.
Mehrfach wurde Wangari verpfügelt, etwa weil sie sich für den Erhalt des Karura-Waldes in Nairobi einsetzte. Im Januar 1999 wurde sie vor Gericht gebracht, nachdem sie von einem Mob verprügelt wurde.
© picture alliance / dpa

Persönlich wurde auch ihr Kampf gegen die Regierung, als sie Anfang der 90er Jahre den Uhuru-Park in Nairobi gegen Bebauungspläne des damalige Staatspräsident Daniel arap Moi verteidigte, der dort seine Parteizentrale errichten wollte. Wangari besetzte den Park und trat in den Hungerstreik. Die Polizei setzte Tränengas ein, prügelte auf die Umweltschützerinnen ein, Wangari wurde bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert.

Ähnliche Szenen gab es 1999 im Karura-Wald von Nairobi. Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), die einen Sitz in Nairobi haben, verurteilte die Gewalt. Der CDU-Politiker Klaus Töpfer, damals Chef des UN-Umweltprogramms, drohte damit, die UN aus Kenia abzuziehen. Die öffentliche Stimmung im Land drehte sich gegen die Regierung, die schließlich die Bebauungspläne für den Karura-Wald aufgab.

Am 10. Dezember 2010 erhält Wangari Maathai in Oslo den Friedensnobelpreis - als erste Frau aus Afrika überhaupt.
Am 10. Dezember 2010 erhält Wangari Maathai in Oslo den Friedensnobelpreis - als erste Frau aus Afrika überhaupt.
© Terje Bendiksby/dpa

2002 wechselte Wangari selbst in die Politik. In ihrem Heimatwahlkreis Tetu am Mount Kenya wurde sie mit 98 Prozent ins Parlament gewählt und wurde 2003 von der neuen Regierung zur Vize-Umweltministerin ernannt. In dem Amt blieb sie jedoch vergleichsweise erfolglos – etwa mit ihren Plänen für eine Landreform.

Am notorisch korrupten politischen System in Kenia konnte sie nichts ändern, doch für ihren lebenslangen Kampf um die Demokratie und Frauenrechte erhielt Wangari Maathai 2004 den Friedensnobelpreis – als erste afrikanische Frau überhaupt.

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