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© Matteo Rossetti/dpa

UN-Klimagipfel in Glasgow: „Die Jugend drängt auf Beteiligung bei der COP26“

Die Corona-Pandemie macht es jungen Menschen aus dem globalen Süden noch schwerer, sich bei den Klima-Verhandlungen Gehör zu verschaffen. Ein Gastbeitrag.

Von
  • Fatou Jeng
  • Seyifunmi Adebote

„Die Jugend ist unsere Zukunft. Ihr werdet am Verhandlungstisch sitzen und darüber mitentscheiden, wie eure Zukunft aussieht.“ Es ist zehn Jahre her, dass Adnan Z. Amin als einer der Direktoren des Umweltprogramms der Vereinten Nationen diesen Satz sagte.

Damals war nicht absehbar, dass wir heute erneut darüber diskutieren müssen, welcher Teil der Jugend Zugang zum Verhandlungstisch hat und als ernsthafter Partner angesehen wird.

Welche Schritte gegen den Klimawandel würden die Staats- und Regierungschefs einleiten, wenn junge Menschen von den Konsultationen ausgeschlossen werden?

Seyifunmi Adebote und Fatou Jeng, Klimaaktivist*innen

Zum ersten Mal in der Geschichte ist Großbritannien Gastgeberin dieser so wichtigen UN-Klimakonferenz in Glasgow. Für die britische Regierung ist dies von enormer Bedeutung: Es ist das größte diplomatische Treffen auf britischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg und die größte öffentliche Veranstaltung, die Großbritannien seit den Olympischen Spielen 2012 ausrichtet. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde der Termin vom November 2020 um ein Jahr auf den 1. bis 12. November 2021 verschoben, was nur noch wenige Tage entfernt ist.

Die Jugend aus dem globalen Süden drängt auf Beteiligung bei dieser COP. Das liegt daran, dass die Repräsentanz bei diesen Verhandlungen, die für junge Menschen so bedeutsam sind, zu schrumpfen scheint. Die große Frage lautet: Welche Schritte gegen den Klimawandel würden die Staats- und Regierungschefs einleiten, wenn junge Menschen von den Konsultationen ausgeschlossen werden?

Fatou Jeng aus Gambia hat in ihrer Heimat die Umweltorganisation Clean Earth Gambia gegründet. Diese hat das Ziel, möglichst viele Bäume an der von Erosion betroffenen Küste zu pflanzen. An der University of Sussex hat Jeng gerade ihren Master in Umwelt, Entwicklung und Politik gemacht.
© privat
Seyifunmi Adebote ist Umweltaktivist aus Nigeria. Er betreibt den Podcast „Climate Talk Podcast“
© Privat

Wir müssen die Frage, wie inklusiv die COP26 insbesondere für junge Menschen aus dem globalen Süden sein wird, leider wieder aufwerfen.

Covid-19 hat zur Verzögerung der Klimaverhandlungen beigetragen, die globalen Auswirkungen der Pandemie treffen die verletzlichsten Länder und Menschen am stärksten. Der ungleiche Zugang zu Impfstoffen bremst wirksame Klimaschutzmaßnahmen und spiegelt auch die Schieflage bei der Verwirklichung von Klimagerechtigkeit wider.

Die britische Regierung als Gastgeberin der COP26 hat zugesichert, den Teilnehmern und Delegierten Covid-19-Impfstoffe zur Verfügung zu stellen. Vor allem bei Teilnehmern aus dem globalen Süden, der am meisten unter der Klimakrise leidet, ist die Skepsis groß. Angesichts der Kosten für Quarantäne und andere Ausgaben ist ungewiss, wie inklusiv die COP26 sein wird.

Die Klimaaktivistinnen Vanessa Nakate aus Uganda und Greta Thunberg aus Schweden beim Jugend-Klimagipfel in Mailand Ende September 2021. Bei der Konferenz war auch Autorin Fatou Jeng aus Gambia zu Gast.
© Luca Bruno/dpa

Schon bei den Klimaverhandlungen unter „normalen“ Umständen hatten die Teilnehmer aus dem globalen Süden, insbesondere zivilgesellschaftliche Organisationen, Jugendliche und Frauen, Probleme, ihre Teilnahme an den Klimaverhandlungen zu finanzieren. Mit der Pandemie könnte es noch schlimmer werden. Die Frage, wie die britische Regierung die Teilnahme der am stärksten betroffenen Länder an den Klimaverhandlungen sicherstellen wird, bleibt unbeantwortet.

Darüber hinaus stellt die Verlegung der COP26-Verhandlungen ins Virtuelle die Delegierten aus dem globalen Süden vor große Herausforderungen, etwa aufgrund von Problemen mit der Internetverbindung, begrenzter Infrastruktur und Unterschieden in der Zeitzone, die eine Teilnahme erschweren. Doch wenn eine effektive Teilnahme des globalen Südens an den Klimaverhandlungen nicht garantiert ist, bedeutet das auch eine Verzögerung bei den Klimaschutzmaßnahmen angesichts einer sich beschleunigenden Klimakrise.

In einem Interview äußerte die Klimaaktivistin Elizabeth Gulugulu aus Zimbabwe von der African Youth Initiative on Climate Change Bedenken wegen der Akkreditierung, der Finanzierung der Teilnahme und Visaverfahren. Sie sagte, dass „die Schwierigkeiten von Jugendlichen aus dem globalen Süden, akkreditiert zu werden, ihre Teilnahme an der COP26 einschränken könnten, da die Regierungen Jugendliche nicht akkreditieren und der COP26-Vorsitz die Zahl der Partei- und Beobachterausweise reduziert hat, was die Dinge sehr kompliziert macht.“

Junge Menschen sind nicht nur dazu da, für „Verpflichtungen“ oder „Zusagen“ der Regierungen für mehr Klimaschutz zu werben. Bereits 2009, während der COP15 in Kopenhagen, an der rund 1500 junge Menschen als Vertreter von Vertragsparteien, Nichtregierungsorganisationen und Medien teilnahmen, haben junge Menschen - auch aus dem globalen Süden – zum Erfolg der Konferenz beigetragen.

Sie haben die COP-Verhandlungen beobachtet und dokumentiert, politische Strategien analysiert und mit kreativen Aktionen das Bewusstsein für die Klimakrise geschärft. Sie haben mit Schulungen beigetragen, Kompetenzen aufzubauen und wichtige „Side Events“ bei der COP organisiert.

Was auch immer zur Rechtfertigung genannt vorgebacht wird, junge Menschen von der COP auszuschließen, ist gegenstandslos, denn das würde zu keinem guten Ergebnis führen. Yvo de Boer, früherer Generalsekretär des Sekretariats der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCC) formulierte es nach der COP15 in Kopenhagen so: Auf den Tagungen des UNFCC müsse ein „inklusiver und pragmatischer Weg nach vorn gefunden werden, um wirksam auf den Klimawandel zu reagieren und die Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu sichern“.

Der Artikel erschien zuerst in englischer Sprache auf der Webseite der britischen Entwicklungs-NGO Bond.

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