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Frank Lüdecke schreibt im Tagesspiegel über die Fußball-Bundesliga.
© Derdehmel/Urbschat

Kolumne „Auslaufen mit Lüdecke“: Bei Hertha läuft die Stunde Null in Dauerschleife

Unser Kolumnist verzweifelt an seiner Hertha und fragt sich, wann der Klub endlich mal damit anfängt, wirklich etwas aufzubauen.

Von Frank Lüdecke

Na schön. Soll ich ehrlich sein? Ich hatte mit einer klaren Hertha-Niederlage in Leipzig gerechnet. Es gab nicht viele Anzeichen, die auf etwas anderes hingedeutet hätten. Aber eine Niederlage in der Höhe? Mit dieser Leistung? Das war dann doch mal eine echte Überraschung. In der Pause soll Kevin-Prince Boateng das Team noch mal „gepusht“ haben. Das habe aber nichts gebracht, resümierte der Cheftrainer. Das ist überraschend analysiert, wie ich finde. Vor allem, dass das Wort „pushen“ im Zusammenhang mit dieser Leistung Eingang in den Satzbau finden konnte.

Ursprünglich wollten die Berliner aus Leipzig etwas „Zählbares“ mitnehmen. Wenigsten das ist gelungen. Sie können jetzt sechs Gegentreffer auf der Sollseite dazu addieren. Es hätten auch gut und gerne zehn sein können.

Aber man kann nicht alles haben.

Nun gab es zwei glückliche Siege gegen sehr, sehr schwache Mannschaften, die inzwischen auch schon auf den beiden letzten Plätzen stehen. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass wir die hinter uns lassen.

Aber um es klar zu sagen: Wir müssen dringend noch ein Team finden, das weniger Punkte sammelt als wir. Nach den bisher gezeigten Leistungen wüsste ich nicht, wer das sein sollte. Sogar Bielefeld wirkt in der derzeitigen Phase gefestigter.

Sogar Bielefeld wirkt in der derzeitigen Phase gefestigter. 

Frank Lüdecke

Manager Bobic gab sich nach dem Spiel angriffslustig. So einen Auftritt wolle er „in der Form“ nicht mehr sehen. Irre ich mich? Oder hatte er das nicht schon nach dem Bayern-Debakel (0:5) gesagt?

Egal. Trainer Dardai richtete dagegen vier Appelle an seine Mannschaft. Erstens: Man müsse das einfach schnell vergessen. Keine leichte Aufgabe, wie ich finde. Zweitens: Man solle in den Bus einsteigen. Das war ohne Zweifel sinnvoll, denn man hatte ja auch auf der Hinfahrt dieses Verkehrsmittel gewählt. Drittens: Man solle „nach Hause fahren“. Wohin sonst? Für Urlaub ist nun wirklich keine Zeit, die Saison ist ja voll im Gange. Und viertens, man solle „nächste Woche wieder bei null anfangen“.

Ooouh. Das ist ein Satz des Cheftrainers, den hört der Fan nicht gern. Die Vorbereitung und der Auftakt der Saison sind vorbei – aber Hertha muss schon wieder bei null anfangen? Warum eigentlich? Alle anderen sind schon in Bewegung, aber unser Klub ist gezwungen, den Motor noch mal neu anzuwerfen? Manchmal gewinnt man den Eindruck, die „Stunde Null“ läuft bei uns in einer Art Dauerschleife.

Wäre natürlich schön, wenn man auch mal irgendwann auf irgendetwas aufbauen könnte.

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