zum Hauptinhalt
Wie Gold lässt sich auch Silber in Barrenform kaufen.
© imago/Panthermedia

Der Preis steigt kräftig an: Wird Silber das neue Gold?

Silber ist so teuer wie lange nicht mehr. Anleger können davon profitieren. Für das Tafelsilber bekommt man trotzdem kaum etwas.

Wer in Edelmetall investieren will, der schielt meist aufs Gold. Dabei hat sich Silber in den vergangenen Wochen und Monaten noch viel stärker verteuert. Am Mittwoch ist der Preis für eine Unze Silber erstmals seit vier Jahren über die Marke von 20 Dollar gestiegen. Im März lag er hingegen noch bei rund zwölf Dollar. Das entspricht einem Anstieg um 65 Prozent. Zum Vergleich: Der Goldpreis hat in diesem Zeitraum „nur“ um 23 zugelegt.

Zu tun hat das vor allem damit, dass der Silberpreis – anders als der Goldpreis – etwa zur Hälfte von industrieller Nachfrage bestimmt ist, der Corona-Crash deshalb auch beim Silber zu einem Absturz geführt hat. Auf Jahressicht liegt das Plus beim Silber nur bei knapp 23 Prozent, beim Gold bei etwa 27 Prozent.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Vor vier Jahren, Mitte 2016, hatte die Silberunze zuletzt kurz über die Marke von 20 Dollar übersprungen. Und: Während Gold mit 1817 Dollar inzwischen nicht mehr weit vom seinem Allzeithoch bei 1909 Dollar entfernt ist, müsste Silber sich nochmals mehr als verdoppeln um seine alten Rekordhochs zu erreichen: 1980 war der Silberpreis nach einer Spekulation vermögender Geschäftsleute auf knapp 50 Dollar gegangen und 2011 wurden im Zuge von Staatsschuldenkrise, Zweifeln an der Bonität der USA und des Tsunamis in Japan erneut rund 50 Dollar erreicht.

Die Anleger treiben den Kurs nach oben

Deutlich später als beim Gold ist damit die Edelmetallhausse auch beim Silber angekommen. Getrieben ist sie nicht von einer höheren Nachfrage der Industrie, die nach Zahlen des Silver Institute 2019 etwa 51 Prozent der gesamten Silbernachfrage von 992 Millionen Unzen ausmachte – das sind etwa 31000 Tonnen. Wegen der Coronavirus-Krise und der deshalb weltweit gedeckelten Industrieproduktion rechnet das Silver Institute für 2020 sogar mit einer von 510 auf 475 Millionen Unzen fallenden Silbernachfrage der Industrie. Auch andere große Silberverbraucher wie die Schmuckindustrie mit 201 Millionen Unzen, Fotografie oder Silberwaren funkten 2019 wie auch im bisherigen Jahresverlauf 2020 eher Schwächezeichen.

Größter Abnehmer ist die Industrie.
Größter Abnehmer ist die Industrie.
© imago/Panthermedia

Getrieben hat den Silberpreis ausschließlich die gestiegene Nachfrage von Investoren, die Silberpapiere kaufen. Nach Prognosen des Silver Institute könnten Anleger derzeit mit 22,3 Prozent deutlich mehr vom geförderten Silber abschöpfen als 2019 mit 18,7 Prozent. Im Jahr 2011, als Silber sein letztes Hoch angepeilt hatte, lag dieser Wert sogar bei 26 Prozent.

Wichtig ist für Anleger die Gold-Silber-Ratio

Investoren spekulierten einerseits darauf, dass das Edelmetall Silber seinen Rückstand bei der Wertentwicklung gegenüber Gold neutralisieren wird. Das sogenannte Gold-Silber-Ratio, das Gold- und Silberpreis in ein Verhältnis setzt und damit eine Über- oder Unterbewertung eines Edelmetall-Zwillings offenbart, war im März auf ein Allzeithoch von 123 gestiegen. Dies bedeutete: nie zuvor war Silber, das auf der Erde 20 mal häufiger vorkommt als Gold und das vor allem in Mexiko, Peru und China gefördert wird, so billig im Vergleich zum Gold. Inzwischen ist dieser Wert mit dem kräftigen Anstieg des Silberpreises wieder auf 89 gefallen. Bei Werten über 80 gilt Silber als eher billig im Vergleich zu Gold – und bei Werten unter 40 als eher teuer. Im Schnitt der vergangenen 50 Jahre lag das Gold-Silber-Ratio bei etwa 60.

Zweitens haben nach vier Jahren, in denen die Silberproduktion deutlich über der Nachfrage lag, auch die Silberminen ihre Produktion etwas zurückgefahren. Nach Schätzungen des Silver Institutes wird das Angebot heutzutage von 1023 auf 978 Millionen Unzen abschmelzen. Ein sinkendes Angebot bei gleichzeitig weiter steigender Nachfrage könnte den Preis weiter unterstützen, vermuten die meisten Edelmetallexperten.

Die Citigroup zum Beispiel erwartet in den kommenden sechs bis zwölf Monaten einen Silberpreis von 25 Dollar je Feinunze. Einige Silberexperten halten auch den industriellen Nachfrageknick für eher begrenzt, da Silber vor allem in der Solar- und der Elektronikindustrie zum Einsatz komme.

Das Tafelsilber bringt wenig ein

An steigenden Preisen teilhaben können Anleger entweder über den Kauf von Silberbarren oder Anlagemünzen, die mit einem Silberanteil von 999 relativ gut den Marktpreis abbilden, allerdings einen Aufpreis für die Herstellung kosten. Zweitens kann ein Anleger passive Papiere (Exchange Traded Commodities, ETC) kaufen, die zwar als Inhaberschuldverschreibungen nicht gegen eine Pleite des Emittenten abgesichert sind, dafür aber physisches Silber zur Absicherung halten. ETC haben etwa ishares, wisdom tree oder xtrackers im Angebot.

Silberlöffel geerbt? Wer das verkaufen will, bekommt nur den Edelmetallpreis.
Silberlöffel geerbt? Wer das verkaufen will, bekommt nur den Edelmetallpreis.
© imago images/Panthermedia

Silberschmuck und Silberwaren hingegen eignen sich weniger zur Silber-Spekulation, da hier ein beträchtlicher Teil des Preises nicht vom Rohstoff, sondern von Designer und Schmied bestimmt wird. Wer also umgekehrt jetzt Omas Erbsilber verkaufen will, dürfte enttäuscht sein. Denn bezahlt wird meist nur der reine Materialwert. 0,57 Euro ist jedes Gramm reines Silber derzeit wert. Da Besteck aber aus 800er-Silber oder bestenfalls Sterling mit 92,5 Prozent Silbergehalt besteht, zahlt der Antiquitätenhändler noch weniger. Eine Menügabel in Sterling wiegt etwa 70 Gramm, womit der reine Silberpreis bei 37 Euro liegt. Neu kostet eine Gabel derzeit je nach Marke, Form und Silbergewicht etwa 200 Euro.

Lesen Sie weiter Plus-Texte:

Zur Startseite