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Es stehen in naher Zukunft mehrere Impfstoffe bereit.
© Getty images / Getty images

Neue Vakzine: Stoffe der Hoffnung

Mehrere Vakzine stehen kurz vor der Zulassung. Wie funktionieren die Impfstoffe, was ist bisher über ihre Wirksamkeit bekannt und wann können sie in der EU eingesetzt werden?

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Die „New York Times“ nennt die Resultate, die das Pharmaunternehmen Novavax zur Effektivität seines Impfstoffes jetzt publizierte, „gemischt“. So ändern sich die Zeiten. Denn eigentlich sind die Daten mehr als überzeugend: Die Wirksamkeitsrate ist demnach mit etwa 90 Prozent außerordentlich gut. Aber bei einer der neuen Varianten – der zuerst in Südafrika gefundenen Mutante B135, lag sie eben nur bei knapp 50 Prozent. Allerdings sind letztere Daten noch vergleichsweise unsicher, denn sie beruhen auf relativ wenigen Probanden.

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Schon länger gibt es plausible Hinweise darauf, dass für diese Variante und für jene, die derzeit vor allem in Teilen Brasiliens grassiert, der Impfstoff nicht optimal passen könnte. Allerdings läge auch eine solche 50-Prozent-Wirksamkeit noch in einem Bereich, den Zulassungsbehörden vor Monaten noch als ausreichend ansahen – und dies offiziell weiterhin tun. Sie wäre auch nicht weit entfernt von der durchschnittlichen Wirksamkeit anderer Vakzine, etwa gegen Grippe.

Hohe Effektivität des Biontech-Impfstoffs

Wie effektiv die anderen bereits genutzten Impfstoffe gegen die Mutanten sind, ist weitgehend unbekannt. Nur für die derzeit in Europa wichtigste, B117, gibt es Daten: Sie sprechen für eine weiterhin hohe Effektivität etwa des Biontech-Präparates. Bei den beiden genannten anderen Virus-Varianten spricht vieles dafür, dass die bisherigen Vakzine deutlich weniger wirksam sein könnten.

In Dänemark geht es mit den Impfungen schneller voran.
In Dänemark geht es mit den Impfungen schneller voran.
© AFP

Der Novavax-Impfstoff funktioniert anders als die bislang zugelassenen RNA-Vakzine. Die Firma kombiniert einen Proteinbestandteil des Virus mit einem Wirkungsverstärker, der das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern und Abwehrzellen stimuliert. Vorteil solcher Impfstoffe ist auch, dass es im Normalfall ausreicht, sie bei Kühlschranktemperatur zu lagern. Einer der Nachteile liegt darin, dass sie aufwendiger in der Produktion sind, also mit vergleichbaren Herstellungskapazitäten weniger Dosen verfügbar gemacht werden können. Auch bei Novavax sind zwei Impfdosen pro Person notwendig.

Derzeit werden angesichts des massiven Bedarfes weltweit, der Lieferprobleme mancher Unternehmen und der Mutanten große Hoffnungen in die Impfstoffkandidaten, die noch in der klinischen Prüfung befinden, gesetzt. Das deutsche Unternehmen Curevac etwa nutzt ebenfalls die RNA-Technologie. Es arbeitet jetzt mit dem Bayer-Konzern zusammen. Untersuchungen der letzten, klinischen Phase begannen Mitte Dezember. Ein Vorteil dieses Impfstoffes soll sein, dass er bei Kühlschranktemperatur gelagert und transportiert werden kann.

Der Impfstoff des belgischen Impfstoffherstellers Janssen, Teil des US-Konzerns Johnson+Johnson (J+J), schützt mit einer Wirksamkeit von 85 Prozent vor schweren Covid-19-Erkrankungen und zu 100 Prozent vor einem Covid-19-bedingten Tod. Alle Todesfälle, die in der „Ensemble“-Studie mit insgesamt 45000 Teilnehmern nach 28 Tagen auftraten, fielen in die Placebo-Gruppe, betraf also nur jene Probanden, die zufällig ausgewählt keinen Impfstoff gespritzt bekommen hatten. Vor milderen Covid-19-Symptomen konnte der Impfstoff mit einer Wirksamkeit von insgesamt 66 Prozent schützen. Altersbedingte Unterschiede in der Wirksamkeit seien nicht festzustellen gewesen, auch Menschen mit Vorerkrankungen seien genauso gut geschützt wie unterschiedliche Ethnien, sagte der Studienleiter Matthai Mammen, Forschungsleiter bei Janssen.

Mutante aus Südafrika bereitet Schwierigkeiten

Die Studie, deren Ergebnisse erst in der kommenden Woche öffentlich gemacht werden sollen, sei in vielen verschiedenen Ländern durchgeführt worden, darunter auch Südafrika, wo inzwischen die Virusvariante B.1.351 weit verbreitet ist. Gegen diese Mutante schützen die bereits zugelassenen Impfstoffe von Biontech und Moderna zwar noch immer gut, jedoch nur in eingeschränktem Maße. Das gilt auch für den Impfstoff von J+J. Dort liegt die Schutzwirkung vor milden Covid-19-Symptomen nur bei 57 Prozent, doch auch dort waren 85 Prozent der Studienteilnehmer durch die Impfung vor schweren Verläufen und zu 100 Prozent vor Tod durch Covid-19 geschützt.

Einem Patienten wird ein Biontech-Vakzin geimpft.
Einem Patienten wird ein Biontech-Vakzin geimpft.
© Robert Michael/dpa

Über die üblichen und vergänglichen Begleiterscheinungen wie leichtes Fieber oder Schmerzen um die Einstichstelle hinaus wurden in der Studie, die von den National Institutes of Health in den USA geleitet wurde, „keine nennenswerten Nebenwirkungen“ beobachtet. „Dieser Impfstoff ist für jedermann“, sagte Mammen, „es gibt niemanden, der nicht davon profitiert.“ Ob der Impfstoff nicht nur vor Erkrankung sondern auch vor Infektion mit Sars-CoV-2 schützt, werde noch untersucht, mit Ergebnissen sei erst in einigen Wochen zu rechnen.

Mit dem J+J-Impfstoff steht erstmals ein Vakzin gegen Covid-19 zur Verfügung, das nur eine einzige Dosis und keine Auffrischimpfung erfordert. Eine Milliarde Impfstoffdosen will der Konzern 2021 produzieren und zur Verfügung stellen, 400 Millionen hat die EU geordert. „Derzeit vermehrt sich das Virus weltweit und das führt zu diversen neuen Virusmutanten“, sagt J+J-Forschungschef Paul Stoffels. „Vom Public-Health-Standpunkt aus sei es deshalb sehr wichtig, schnell zu impfen, die Menschen schnell zu schützen und die Belastung für die Kliniken zu senken. Dieser Impfstoff wird dazu beitragen.“Das französische Unternehmen Valneva hat mit der Produktion seines Impfstoffes begonnen. Dieser ist aber noch nicht zugelassen. Die Firma nutzt inaktivierte Coronaviren und damit die vergleichsweise älteste, aber auch besterprobte Technologie.

Widersprüchliche Ergebnisse

Weitere Impfstoffe, die außerhalb der EU bereits zugelassen sind und auch schon millionenfach verimpft werden, sind etwa der durch das russische Gamelaya-Institut entwickelten „Sputnik-V“ sowie „CoronaVac“ des chinesischen Unternehmens Sinovac. Das russische Präparat ähnelt vom Prinzip her dem Astrazeneca-Produkt. Es wird in Russland seit September genutzt, seit kurzen auch in Iran und Argentinien. Der Sinovac-Impfstoff besteht ähnlich wie bei Valneva aus inaktivierten Coronaviren und Hilfsstoffen. Zu dessen Effektivität sind die Angaben sehr unterschiedlich.

Während eine kürzlich in Brasilien veröffentlichte Untersuchung gerade einmal 50-prozentige Wirksamkeit nachweist, ist in einer Untersuchung aus der Türkei von mehr als 90 Prozent die Rede. Einige europäische Länder setzen die chinesischen und russischen Impfstoffe bereits ein, etwa Serbien und auch Ungarn. Am Freitag diskutierten Experten bei der Weltgesundheitsorganisation über die Wirksamkeit von Sputnik-V. Die dazu verfügbaren Daten und deren Kommunikation Russlands werden bislang oft als fragwürdig eingestuft.

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