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Bänke gegen Rassismus in Lüneburg, Niedersachsen.

© dpa/Philipp Schulze

Rassismus in Deutschland: Jede zweite schwarze Person erfährt Diskriminierung

Vor allem schwarze Frauen erleben immer wieder Bedrohungen oder Belästigungen. Aber auch asiatische und muslimische Menschen sind betroffen, zeigt der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor.

In Deutschland erleben laut einer groß angelegten Befragung vor allem schwarze Menschen rassistische Diskriminierung. Wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Nationalen Diskriminierungs- und Rassmismusmonitor hervorgeht, hat mehr als jede zweite schwarze Person (54 Prozent) in Deutschland Diskriminierungserfahrungen gemacht.

Jede fünfte schwarze Frau (19 Prozent) gibt an, mehrmals im Jahr oder häufiger Bedrohungen oder Belästigungen zu erfahren, wie das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) in Berlin mitteilte. Bei schwarzen Männern sind dies 18 Prozent. Bei asiatischen und muslimischen Männern und Frauen liegen die Werte den Angaben zufolge zwischen 12 und 14 Prozent.

Diskriminierung durch Polizei und Behörden

Schwarze Menschen geben zudem häufiger an, dass ihnen regelmäßig mit Angst begegnet werde, was der Monitor als subtile Diskriminierungserfahrungen wertet. Schwarze Menschen fühlen sich auch häufiger von der Polizei diskriminiert. Muslime erleben demnach häufiger Diskriminierung in Behörden.

Einen Schwerpunkt legt der Bericht auf Erfahrungen im Gesundheitssystem. Der Umfrage zufolge haben schwarze, muslimische und asiatische Menschen dort häufiger als weiße Menschen das Gefühl, dass ihre Leiden nicht ernst genommen werden oder sie aufgrund ihrer Hautfarbe oder ihres Namens keinen Termin bekommen.

Termin zur Vorstellung des Bericht abgesagt

Die Integrationsforscherinnen und -forscher haben für den Rassismusmonitor nach eigenen Angaben zwischen Juni und November vergangenen Jahres mehr als 21.000 Menschen befragt. Der Bericht soll regelmäßig Auskunft zu Ursachen, Ausmaß und Folgen von Diskriminierung und Rassismus liefern. Die Forschung wird finanziert von der Bundesregierung, die sich in der vergangenen Legislaturperiode zur Bekämpfung von Rechtsextremismus für diese kontinuierliche Untersuchung ausgesprochen hatte.

Die Forscher wollten den Rassismusmonitor eigentlich am Dienstag auf einer Pressekonferenz gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) und der Antirassismusbeauftragten der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan (SPD) vorstellen. Der Termin wurde jedoch am Montagabend kurzfristig abgesagt.

Alabali-Radovan erklärte am Dienstag schriftlich, die Befunde des Berichts bereiteten ihr große Sorgen. Hautfarbe oder Nachname dürften niemals entscheiden, wer wann einen Arzttermin oder Therapieplatz erhält. Sie sprach sich für Antirassismus-Schulungen in Praxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen aus. (epd)

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