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Im Bezirk Mitte werden Grünflächen zum Teil händisch bewässert.
© dpa / Julian Stratenschulte
Tagesspiegel Plus

Ausgetrocknete Parks, absterbende Bäume: Wie Berlin seine Grünflächen vor dem Hitzetod bewahren will

Viele Grünflächen und Parks sind in einem miserablen Zustand. Für die Pflege fordern die Bezirke mehr Geld vom Senat – der wiederum weist die Verantwortung zurück.

Von
  • Carla Siepmann
  • Valentin Petri

Vertrocknete Blätter hängen an den Ästen, die Wiese gleicht einer staubig-grauen Steppenlandschaft: Viele Parks und Grünflächen in der Stadt leiden unter Hitze, Trockenheit und Dürre. Frisches Grün ist vielerorts nicht zu sehen. Berlins Bezirksämter stehen vor großen Herausforderungen, um die Grünflächen und Bäume der Stadt vor dem Hitzetod zu retten: Bewässerung, Umgestaltung der Parks, Anreicherung mit hitze- und trockenheitsbeständigen Arten, sowie finanzielle Belastungen.

In den vergangene Monaten hat es viel zu wenig geregnet. Berlin war zuletzt das trockenste Gebiet Deutschlands. Auch in den nächsten Monaten rechnet der Deutsche Wetterdienst mit niedrigen Niederschlagswerten.

Aufgrund der Wasserknappheit muss bei der Bewässerung trotz Hitze priorisiert werden. Gegossen werden vor allem junge Bäume oder Grünflächen. Das geschieht teilweise über Beregnungsanlagen, mitunter aber auch händisch durch die Grünflächenämter oder damit beauftragte Firmen. Weil nicht überall Tiefbrunnen mit Zugang zum Grundwasser zur Verfügung stehen, wird dafür zum Teil Trinkwasser genutzt. Eine halbe Million Kubikmeter Wasser wurden 2021 für die Bewässerung von Grünanlagen allein in Moabit und Tiergarten verwendet. 

„Grundsätzlich müssen wir uns Sorgen machen“, sagt Ansgar Poloczek vom NABU Berlin angesichts des Zustands der Grünflächen in der Stadt. Sie stünden unter einem besonderen klimatischen Druck, der durch den Klimawandel verstärkt würde. Gleichzeitig gebe es in Berlin nicht genügend Sickerflächen, die zunehmende Versiegelung der Stadt würde zum Problem. Zudem sinke der Grundwasserspiegel. Die Erfolgsaussichten einer händischen Bewässerung bezweifelt er: „Das ist mit einem Eimer Wasser nicht getan.“

 „Wir kommen um ein vernünftiges Wassermanagement nicht herum.“

Ansgar Poloczek, NABU-Experte für praktischen Biotop- und Artenschutz, Diplom-Biologe

Der Grundwasserspiegel müsse angehoben, Wasserressourcen bewahrt und Niederschläge mittels Auffangbecken gespeichert werden.  „Wir kommen um ein vernünftiges Wassermanagement nicht herum“, meint Poloczek. Auch die Berliner Wasserbetriebe stimmen zu, dass zu viele Flächen in der Stadt versiegelt seien und Auffangbecken zur Regenwasserspeicherung installiert werden sollten. „Wir tun einiges, um die Wasserversorgung in Berlin mittelfristig sicherzustellen“, sagt eine Sprecherin.

In der Hasenheide sind nur ein Drittel der Bäume unbeschädigt

Der Zustand vieler Berliner Grün- und Parkflächen ist kritisch. Bei häufig genutzten Grünflächen seien deutliche Trockenschäden zu erkennen, sagt Christopher Dathe vom Bezirksamt Neukölln. Beim Baumbestand ergibt sich ein ähnliches Bild. So sind in der Hasenheide zum Beispiel nur ein gutes Drittel der Bäume unbeschädigt.

Eine flächendenkende oder tägliche Bewässerung, heißt es aus vielen Bezirken, wäre weder vorgesehen noch möglich. Es sei fraglich wie sinnvoll die tägliche Bewässerung angesichts des benötigten Umfangs und des niedrigen Grundwasserspiegels sei, sagt Dathe.

Die regelmäßige Bewässerung bringt auch finanzielle Belastungen für die Bezirke mit sich. In Steglitz-Zehlendorf rechnet das Bezirksamt für 2022 mit Ausgaben von etwa 200.000 Euro, in Reineckendorf sind sogar 500.000 Euro eingeplant. Es würden dringend zusätzliche Mittel vom Berliner Senat für die Notlage benötigt, heißt es aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

„Es werden dringend zusätzliche Mittel des Senats für die Notlage benötigt.“

Sara Lühmann, Pressestelle Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg

Die Senatsumweltverwaltung verweist indes auf die Zuständigkeit der Bezirke, was die Unterhaltung und Pflege öffentlicher Grünanlagen angeht. Für nicht vorhersehbare Notfallmaßnahmen wie beispielsweise für zusätzliche Wässerungen in langen Trockenheitsphasen gebe es die Möglichkeit, zusätzlich Geld zu bekommen.

„Von Seiten des Landes wurde in den zuständigen Fachgruppen gegenüber dem Grünflächenamt nie signalisiert, dass es Sondermittel gibt“, entgegnet Sara Lühmann, Sprecherin des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg.

Längerfristig wollen die Bezirke bei der Neubepflanzung mehr auf klimaresistentere Gehölze und Gewächse setzen. Darüber hinaus sollen verstärkt Flächen entsiegelt werden, damit beispielsweise Regenwasser besser absickern kann. Auch größere Umbauprojekte sind geplant. Mit etwa fünf Millionen Euro vom Bund soll die angeschlagene Hasenheide in den nächsten Jahren aufwendig auf Vordermann gebracht werden. Zur Erholung von Flächen und Bäumen könnten einzelne Bereiche auch längerfristig oder dauerhaft gesperrt werden.

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